Wer für ein Visum, die Chancenkarte oder die berufliche Anerkennung Unterlagen in Deutschland einreicht, steht vor strengen formalen Vorgaben: Ausländische Urkunden und Bildungsnachweise werden von Behörden und Kammern nur verarbeitet, wenn sie zweifelsfrei verständlich und rechtsgültig nachgewiesen sind. Fehlerhafte Übersetzungen oder unvollständige Beglaubigungsvermerke führen in der Praxis häufig zu Rückfragen und monatelangen Verfahrensverzögerungen.
Dieser Leitfaden erklärt, wer Zeugnisse übersetzen darf, wie arabische Urkunden fehlerfrei übertragen werden und welche Beglaubigungsschritte nötig sind.
Wer darf übersetzen? Beglaubigte vs. vereidigte Übersetzung
Im deutschen Sprachgebrauch wird oft von einer „beglaubigten Übersetzung“ gesprochen. Rechtlich präzise handelt es sich um eine bestätigte Übersetzung, die von einer gerichtlich ermächtigten, allgemein beeidigten oder öffentlich bestellten Person angefertigt wird.
- Vereidigte/ermächtigte Übersetzer: Diese Fachpersonen haben vor einem deutschen Landgericht oder einer zuständigen Innenbehörde einen allgemeinen Eid abgelegt. Sie bestätigen mit ihrem Stempel, ihrer Unterschrift und dem Beglaubigungsvermerk die Richtigkeit und Vollständigkeit der Übersetzung mit dem vorgelegten Dokument.
- Übersetzungen aus dem Ausland: Nach Angaben des Auswärtigen Amts werden Übersetzungen von in Deutschland öffentlich beeidigten oder ermächtigten Fachleuten regelmäßig akzeptiert. Ob eine im Ausland gefertigte Übersetzung anerkannt wird, liegt hingegen im Ermessen der jeweiligen deutschen Behörde. Häufig verlangen Behörden eine Nachbeglaubigung oder eine erneute Übersetzung durch eine in Deutschland zugelassene Fachkraft.
Eine detaillierte Übersicht zu den Prüfmerkmalen finden Sie in unserem Leitfaden über die beglaubigte Übersetzung von Dokumenten.
Schritt für Schritt: Vom Original zum beglaubigten Dokument
Damit die Übersetzung von Stellen wie der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) oder den Anerkennungsstellen der Bundesländer akzeptiert wird, empfiehlt sich dieser Ablauf:
- Originaldokumente prüfen und Echtheit sichern: Klären Sie, ob Ihr Herkunftsstaat Urkunden per Haager Apostille bestätigt oder ob eine Legalisation über die zuständige deutsche Auslandsvertretung nötig ist.
- Beglaubigung vor der Übersetzung anbringen: Stempel, Vorbeglaubigungen des Herkunftsministeriums und Legalisationen müssen vor der Übersetzung auf der Urkunde sein. Der Übersetzer muss sämtliche Vermerke und Siegel mitübersetzen.
- Farbscan anfertigen: Erstellen Sie vollständige, gut lesbare Scans aller Seiten, inklusive Rückseiten mit Stempeln.
- Übersetzer beauftragen: Wählen Sie einen Übersetzer für die Sprachkombination Arabisch–Deutsch, der an einem deutschen Gericht zugelassen ist.
- Namensabgleich übermitteln: Senden Sie dem Übersetzer zusammen mit dem Scan eine Kopie der Passseite, damit Vor- und Nachnamen buchstabengetreu nach dem Reisepass transkribiert werden.
Stolpersteine bei arabischsprachigen Dokumenten
Dokumente aus dem arabischen Sprachraum weisen Besonderheiten auf, die bei deutschen Stellen regelmäßig zu Prüfverzögerungen führen:
1. Transkription von Personennamen
Im Arabischen fehlen oft ausgeschriebene kurze Vokale. Ein Name wie „محمد“ kann im lateinischen Schriftsatz als Mohammed, Muhammad oder Mohamed erscheinen.
- Regel: Maßgeblich für die Übersetzung ist die Schreibweise im aktuellen Reisepass.
- Weicht der Name im Zeugnis von der Schreibweise im Pass ab, führt dies bei Stellen wie der ZAB oder den Anerkennungsbehörden zu Nachforderungen.
- Ändert sich der Name nach dem Zuzug nach deutschem Recht, erlaubt Art. 47 EGBGB eine Angleichung: Betroffene können beim Standesamt Vor- und Familiennamen bestimmen, fehlende Teile wählen oder Namensbestandteile ablegen, die das deutsche Recht nicht kennt. Diese Erklärung muss öffentlich beglaubigt oder beurkundet werden.
2. Titel und Notensysteme
Akademische Grade (wie Bakālyūryūs oder Diblūm) dürfen nicht willkürlich an deutsche Abschlüsse angepasst werden. Eine vereidigte Übersetzung überträgt die Bezeichnung originalgetreu und führt gegebenenfalls die wörtliche Übersetzung an. Die Einstufung (beispielsweise als Bachelor-Gleichwertigkeit) trifft ausschließlich die Bewertungsstelle.
3. Stempel, Siegel und handschriftliche Randvermerke
Unleserliche Behördensiegel im Original müssen vom Übersetzer als „[Siegel unleserlich]“ gekennzeichnet werden. Ist eine Behördenunterschrift oder ein Ausstellungsdatum nicht entzifferbar, kann dies die Echtheitsprüfung blockieren.
Checkliste: Welche Dokumente müssen zwingend übersetzt werden?
Je nach Zielverfahren (Chancenkarte, ZAB-Zeugnisbewertung oder Approbation/Berufsanerkennung) variieren die Anforderungen:
- Abschlussurkunde der Hochschule: Verleihungsurkunde im Originaltext mit allen ministeriellen Stempeln.
- Fächer- und Notenübersicht (Transcript of Records): Vollständige Auflistung aller Semester mit Semesterwochenstunden, ECTS oder Leistungspunkten.
- Schulabschlusszeugnis (z. B. Baccalauréat / Thanaweya Amma): Erforderlich, wenn Vorbildungsjahre nachgewiesen werden müssen.
- Berufsurkunden & Arbeitszeugnisse: Bei reglementierten Berufen (z. B. Pflege, Ingenieurwesen, Medizin) müssen Arbeitsnachweise detaillierte Aufgabenbeschreibungen enthalten.
Für den digitalen Upload bei Visaverfahren empfiehlt sich ein strukturierter Scan-Plan; Details dazu bietet der Überblick zum Thema Chancenkarte online beantragen.
Dokumentenmatrix: Übersetzung, Apostille und Legalisation
Die folgende Übersicht zeigt die Vorgaben nach Vorgaben des Auswärtigen Amts und der Anerkennungsstellen:
| Dokumentenart | Einfache Übersetzung ausreichend? | Vereidigte Übersetzung erforderlich? | Apostille / Legalisation nötig? |
|---|---|---|---|
| Hochschuldiplom (ZAB-Bewertung) | Nein (wenn Übersetzung gefordert) | Ja, von gerichtlich ermächtigter Person | Abhängig vom Herkunftsland; Original für Legalisation zwingend |
| Fächer- und Notenübersicht | Nein | Ja | Beglaubigungskette muss mit Diplom übereinstimmen |
| Arbeitszeugnis / Tätigkeitsnachweis | Teilweise (nur bei formloser Vorabprüfung) | Für behördliche Gleichwertigkeitsprüfung: Ja | In der Regel keine Legalisation, aber Echtheitsnachweis |
| Personenstandsurkunde (z. B. Geburtsurkunde) | Nein | Ja | Ja (Apostille oder Legalisation nach Auswärtigem Amt) |
Die Haager Apostille ersetzt die Legalisation in den Vertragsstaaten des Übereinkommens vom 5. Oktober 1961. Erteilt wird sie direkt von einer Behörde des Ausstellerstaates. Liegt kein Abkommen vor, greift die Legalisation durch die deutsche Botschaft im Ausstellerland. Mehr zu den rechtlichen Bedingungen erfahren Sie im Beitrag über die Apostille für Urkunden.
Rechtliche Grundlagen und Fristen
Wer Zeugnisse bewerten lässt, muss die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Bearbeitungszeiten kennen:
- Anerkennungsverfahren für Berufsabschlüsse: Nach Informationen des Portals Anerkennung in Deutschland kann der Antrag direkt aus dem Ausland gestellt werden. Sobald alle Unterlagen vollständig vorliegen, dauert das Verfahren in der Regel 3 bis 4 Monate.
- ZAB-Zeugnisbewertung für Hochschulabschlüsse: Laut der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) wird die Zeugnisbewertung digital als PDF ausgestellt und ist bundesweit gültig. Die Bearbeitungszeiten betragen:
- Reguläres Verfahren: 3 Monate
- Beschleunigtes Fachkräfteverfahren: 2 Monate
- Anträge für eine Blaue Karte EU: 2 Wochen
Die ZAB bewertet Abschlüsse auf Grundlage der Dokumente in der Original- bzw. Amtssprache. Ob zusätzlich eine deutsche Übersetzung erforderlich ist, hängt vom Einzelfall ab.
Kostenkalkulation und Gebühren
Die Kosten setzen sich aus behördlichen Verfahrensgebühren und Übersetzerhonoraren zusammen:
- ZAB-Zeugnisbewertung: Eine Erstbewertung kostet nach ZAB-Angaben 208 Euro. Eine Ersatzbescheinigung für eine bereits ausgestellte Bewertung liegt bei 104 Euro.
- Legalisationsgebühren: Nach Angaben des Auswärtigen Amts betragen die Konsulargebühren für die Legalisation einer ausländischen Urkunde 28,11 bis 37,41 Euro pro Dokument.
- Anerkennungsverfahren: Die Kosten belaufen sich auf mehrere hundert Euro, abhängig von der zuständigen Stelle und dem Berufsbild. Hinzu kommen Auslagen für Beglaubigungen und Übersetzungen.
- Übersetzungskosten: Beeidigte Übersetzer rechnen meist nach Normzeilen (55 Anschläge) oder Pauschalen pro Urkunde ab. Rechnen Sie je nach Umfang des Zeugnisses mit 40 bis 120 Euro pro Dokumentenseite.
FAQ: Vereidigte Übersetzer in Deutschland und im Ausland finden
Wo finde ich einen anerkannten Übersetzer in Deutschland?
Die Landesjustizverwaltungen führen ein bundesweites Register. Über die offizielle Dolmetscher- und Übersetzerdatenbank können allgemein beeidigte, öffentlich bestellte und allgemein ermächtigte Übersetzer nach Bundesland, Ort und Sprachkombination (z. B. Arabisch–Deutsch) gesucht und direkt kontaktiert werden.
Werden Übersetzungen aus meinem Heimatland in Deutschland akzeptiert?
Das liegt im Ermessen der jeweiligen deutschen Behörde. Häufig verlangen Ausländerbehörden oder Anerkennungsstellen, dass eine im Ausland angefertigte Übersetzung von einer deutschen Vertretung überbeglaubigt oder durch einen in Deutschland beeidigten Übersetzer kontrolliert und neu bestätigt wird. Um doppelte Kosten zu vermeiden, ist die Beauftragung einer in Deutschland zugelassenen Fachkraft meist der sicherere Weg.
Müssen für das Anerkennungsverfahren bereits Deutschkenntnisse nachgewiesen werden?
Nein. Für das reine Verfahren zur Feststellung der Gleichwertigkeit sind laut Anerkennung in Deutschland keine Deutschkenntnisse erforderlich. Erst für die anschließende Berufszulassung (beispielsweise bei Ärzten oder Lehrkräften) müssen Sprachzertifikate vorgelegt werden.








